Am 19. Mai 2010 tagten in der Abgeordnetenkammer zusammen die parlamentarischen Kommissionen für Mittelstand und Tourismus und für nachhaltige Entwicklung. Thema war ein Informationsaustausch zum Einkaufszentrum und Fußballstadion in Liwingen.
Die Regierungsmitglieder bezogen Stellung zu besagten zwei Projekten und beleuchteten drei Aspekte, nämlich die Auswirkungen auf den bestehenden Handel, die benötigten Infrastrukturen und schlussendlich die Notwendigkeit eines neuen Fußballstadions.
…und bezüglich Auswirkungen auf den Handel
Luxemburg verfügt zur Zeit über eine gesamte nationale Verkaufsfläche von 950.000 m². Eine zusätzliche Fläche von 150.000 m² soll dazukommen mit der Fertigstellung der laufenden Projekte wie Cactus Esch-Lallange, Ban de Gasperich, Place de l’Etoile und Centre Hamilius.
Hinzu kommt aber jetzt auch noch Liwingen !
In Liwingen ist eine Verkaufsfläche von 75.000 m² geplant. Zur Erinnerung sei erwähnt, dass die Belle Etoile über 24.400 m² verfügt, die City Concorde über 20.000 m² und Auchan auf Kirchberg über 21.000 m².
Das neue Zentrum in Liwingen wird demnach grösser als die drei größten Einkaufszentren in Luxemburg zusammen.
Liwingen wird auch größer als das größte Einkaufszentrum in Deutschland und der Outlet-Anteil ist ebenfalls größer geplant als das große Zentrum in Zweibrücken. Laut Aussagen der CLC (Confédération Luxembourgeoise du Commerce) beeinflusst ein Outlet-Zentrum den traditionellen Handel in einem Radius von 30 km mit einem Umsatzverlust von 20% im Durchschnitt. Ebenso führt im Schnitt die Schaffung von einem Arbeitsplatz in einem Outlet-Zentrum zum Abbau von zwei bis drei Arbeitsplätzen im traditionellen Handel. Erwähnen wir noch, dass eine zusätzliche große Einkaufsfläche im Ban de Gasperich entstehen soll.
… bezüglich der Infrastrukturen
Am Anfang wollte die Regierung ein neues Fußball-Stadion errichten im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft. Ohne Verbindung mit einem Einkaufszentrum sei jedoch kein privater Promotor bereit gewesen, hier zu investieren. Am Anfang seien auch mehrere Standorte ausgewählt worden, bis die Regierung sich für Liwingen entschied. Hier waren sicherlich die Nähe der Autobahn (Individualverkehr) und die Nähe der Eisenbahn (öffentlicher Verkehr) ausschlaggebende Argumente.
Der Verteiler (Straßeninfrastruktur) von Liwingen hat zur Zeit nicht genügend Kapazitäten für ein Einkaufszentrum. Dennoch muss dieser Verteiler umgebaut werden. Voraussichtlicher Kostenpunkt: zur Zeit 32 Millionen Euro. Die Autobahn wird von Liwingen bis Luxemburg-Stadt auf drei Pisten erweitert.
Das Outlet-Zentrum in Zweibrücken kannte im Jahre 2008 ungefähr 1,8 Millionen Besucher. Die größten Einkaufsflächen in Luxemburg kennen pro Jahr pro Zentrum mindestens 2 Millionen Besucher. Da Liwingen 3x so groß wird, macht das 6 Millionen Besucher im Jahr aus. Die CLC schätzt in Liwingen täglich 2x 9.600 Autos, die zum Einkaufszentrum und zurück fahren. Hinzu kommt die Zahl der Arbeitnehmer zwischen 1.500 und 2.000, die sich tagtäglich zur Arbeit begeben.
… bezüglich Fußballstadion
Der Sportminister erklärt, dass das aktuelle Fußball-Stadion Josy Barthel nicht mehr den internationalen Normen von UEFA und FIFA entspricht. Luxemburg brauche demnach ein neues Stadion. Um jetzt die budgetären Auswirkungen auf ein Minimum zu begrenzen, beschloss die Regierung ein neues Fußball-Stadion im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft zu bauen. Da sich kein privater Investor bereit erklären würde, eine solche alleinige Investition zu finanzieren, kam die Verbindung mit einem Einkaufszentrum zustande.
In diesem neuen Stadion sollen jährlich mindestens 25 offizielle internationale Fußballspiele stattfinden, neben den Spielen der Rugby-Mannschaft. Auch könnten andere, weitere Veranstaltungen hier stattfinden.
Die Unterhaltskosten des neuen Stadions sollen die jetzigen Kosten nicht überschreiten und sind mittels einer Konvention zwischen Staat, privatem Promotor und FLF zu regeln.
Allein das Fußball-Stadion hat einen Kostenpunkt zwischen 20 und 25 Millionen Euro.
Die Kosten für die öffentlichen Infrastrukturarbeiten
- Die Erweiterungsarbeiten an der Autobahn kosten 2 Millionen Euro.
- Der Umbau der Brücke in Liwingen kostet 7 Millionen Euro.
- Eine Zug-Haltestelle in Liwingen kostet 15 bis 20 Millionen Euro.
Die Auswirkungen auf die Umwelt
Das Projekt “Liwingen” wird Auswirkungen auf die Umwelt und Lebensqualität im Roeserbann haben. Alle 7 Sektionen der Gemeinde Roeser werden vom Einkaufszentrum und vom Fußball-Stadion betroffen sein und die Lebensqualität der Einwohner wird negativ beeinflusst. Dies sind die Schlussfolgerungen der Abgeordneten!
Überschwemmungsgebiet ja oder nein?
Die Regierungsvertreter sprechen immer wieder davon, dass die Lage des Einkaufszentrums sich nicht in einer Zone befindet, die als Überschwemmungsgebiet klassiert ist. Der Bau von Rückhaltebecken müsse jedoch vorgesehen werden.
Die CSV-Réiser stellt fest, dass der Standort “Liwingen” wohl im Überschwemmungsgebiet liegt. Der Winter 2010 hat dies erneut deutlich gemacht. Die Straße unter der Eisenbahnbrücke in Liwingen musste wegen Überschwemmung gesperrt werden.
Die CSV-Réiser stellt fest, dass bis jetzt kein Wort über Schutzbestimmungen für die Einwohner des Dorfes Liwingen gesprochen oder geschrieben wurde. Auch werden die Einwohner in Berchem und Biwingen direkt betroffen sein.
Die Auswirkungen auf die Gemeinde Roeser
Dass ein Fußball-Stadion mit einer Kapazität von 10.000 Besuchern pro Veranstaltung sowie ein Einkaufszentrum, das größer wird als die drei größten Einkaufszentren im Land, Auswirkungen auf die Dörfer und die Einwohner der Gemeinde Roeser haben wird, steht außer Zweifel und wurde selbst seitens der Abgeordneten bestätigt.
Eine riesige Verkehrsbelastung wird sämtliche Einwohner treffen, von dem Eingriff in die Natur und den Umweltbelastungen, Lärm und CO2-Ausstoss, nicht mal zu sprechen. Selbst die Abgeordneten stellten anlässlich ihrer Sitzung vom 19. Mai 2010 fest, dass die Lebensqualität im Réiserbann sinken wird.
Von den Auswirkungen auf die Gemeinde Roeser bezüglich Infrastrukturkosten und sonstige Folgekosten wurde bisher nicht diskutiert (Elektrizität, Wasser, Abwasser, Straßen… usw.).
Die Gemeinde-Autoritäten müssten eigentlich schon längst eine Impact-Studie in Auftrag gegeben haben, um sich hier ein genaueres Bild über die Auswirkungen zu machen.
Das Versteckspiel muss endlich ein Ende haben!
Die CSV-Réiser verlangt im Interesse ihrer über 5000 Einwohner volle Transparenz in diesem Dossier.
Zum jetzigen Zeitpunkt kann niemand eine endgültige Stellungnahme beziehen ohne Kenntnis der Resultate einer Impact-Studie zu besitzen.
Bonjour,
j’ai une petite question: vous êtes finalement pour ou contre le projet Livange? Si vous êtes contre, que feriez vous pour arrêter ce projet mégalomane?
Merci,
Bert